Die Tradition der Dosen am Hochzeitsauto reicht in die Zeit der Tudors (15. und 16. Jahrhundert) zurück. Allerdings wurden damals weder Dosen verwendet, noch wurde Lärm produziert um, wie heute angenommen oder beabsichtigt, böse Geister zu vertreiben.

Lärm um böse Geister zu vertreiben

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Mit Dosen am Hochzeitsauto ist Euch die Aufmerksamkeit gewiss

Ein Brauch mit zweifachem Effekt: Der Lärm der Dosen vertreibt zum einen böse Geister (das ist Aberglaube) und macht zum anderen auf die Ja-Sager aufmerksam (das ist Gewissheit – erst recht, wenn das Scheppern vom Hupkonzert der anderen Autos begleitet wird). Dabei hat der Brauch eigentlich eine ganz anderen Ursprung bzw. Zweck. Als Braut und Bräutigam früher die Feier verließen, um in der Kutsche nach Hause zu fahren und die Ehe dort sexuell zu vollziehen, standen die Gäste zur Verabschiedung um das Gefährt herum. Sobald die Kutsche anfuhr, zogen alle ihre Schuhe aus und warfen sie auf die Kutsche. Jeder Treffer bedeutete ein Plus auf der Fruchtbarkeitsskala. Alternativ zum Werfen wurden die Schuhe an die Kutsche gebunden. Irgendwann wollte niemand mehr seine Schuhe hergeben, also wurden Dosen verwendet. Dass sie Schepperten war ein netter Nebeneffekt, der bald mit dem Poltern beim Polterabend in Verbindung gebracht wurde.

Freunde oder Familie befestigt die Dosen am Hochzeitsauto

Die gesammelten Dosen werden natürlich nicht mit ihren eigentlichen Etiketten verwendet, sondern von den Verwandten und/oder Freunden hübsch gemacht. „Just Married“ Schriftzüge passen natürlich besonders gut. Eine Anleitung findet Ihr beispielsweise hier bei DaWanda oder der Grafik-Werkstatt. Mangelt es Euch an Zeit oder Kreativität, könnt Ihr fertige Hochzeitsdosen auch im Web bestellen.

Dosen am Hochzeitsauto
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Das solltet Ihr beim Befestigen von Dosen am Hochzeitsauto beachten:

Zunächst solltet Ihr die Dosen so anbringen, dass das Brautpaar sie nicht entdeckt. Schließlich sollen sie eine Überraschung sein. Darüber hinaus solltet Ihr beim Befestigen an die Straßenverkehrsordnung denken und die Dosen so befestigen, dass sie keine anderen Verkehrsteilnehmer belästigen. Das heißt, die Schnüre, an denen die Dosen hängen, dürfen nicht zu lang sein. Besonders in Kurven können sie sonst ausscheren und vor andere Fahrzeuge geraten. Auch sollten die Schnüre gut am Auto befestigt sein, damit sie auf der Fahrt nicht verlorengehen. Zu schnell fahren sollte die Frischvermählten außerdem nicht, sonst könnten die Dosen hochspringen und ggf. den Lack des Gefährts beschädigen.

Streng genommen sind die Dosen eine Widrigkeit im Straßenverkehr. Das nicht nur wegen des Risikos der Behinderung, sondern auch wegen des Lärms, mit dem sich andere belästigt fühlen könnten. Auf der meist kurzen Fahrt von der Kirche zur Location wird dem Brautpaar deshalb allerdings kaum ein (Un)Mensch Probleme machen. Und sollte die Polizei den Weg kreuzen, werden die Beamten wohl auch eine Auge zudrücken und statt Dienst nach Vorschrift zu machen ins Hupen der Kolonne einstimmen.